Unser Bootshafen braucht Schutz – dafür ziehen wir gemeinsam an einem Strang.
TRANSPARENZHINWEIS: Tim Bruns-Strenge ist Gründungsmitglied von Moin Baltrum und zugleich 2. Vorsitzender des Bootsclubs Baltrum (BBC). Der Beitrag wurde mit dem BBC abgestimmt. Wir machen diese Doppelrolle bewusst sichtbar – nicht, weil sie ein Problem ist, sondern weil auf einer Insel mit 500 Einwohnern jede engagierte Person mehrere Hüte trägt. Entscheidend ist für uns, dass das Anliegen sachlich bleibt: Der Hafenschutz ist ein Insel-, kein Vereinsinteresse!
Warum der Südwall am Bootshafen erhöht werden muss, was ein Pachtvertrag damit zu tun hat – und warum das ein Thema für die ganze Insel ist.
Worum es geht
Wer im Sommer am Baltrumer Bootshafen steht, sieht einen lebendigen Ort: Segler, die anlegen. Familien, die von Bord gehen und sich auf die Insel freuen. 50 Gastliegeplätze, in der Hochsaison rund 130 Übernachtungsgäste pro Nacht – Menschen, die auf Baltrum essen, einkaufen, Fahrräder mieten, den Strand besuchen. Der Bootshafen ist eine wirtschaftliche Säule des Inseltourismus, gerade abseits der klassischen Fährgäste.
Aber dieser Hafen hat ein Problem, das sich nicht länger aufschieben lässt: Der Südwall ist zu niedrig. Schon 40 Zentimeter über dem normalen Hochwasser reichen bei südwestlichem Wind aus, damit Wellen ungebremst in den Hafen schlagen. Nicht im Jahrhundertsturm – bei Wetterlagen, die an der Nordsee Routine sind.
Das Problem ist bekannt. Es ist technisch klar beschrieben. Und es ist lösbar. Was bisher fehlt, ist der gemeinsame Wille, es anzugehen. Diesen Beitrag schreiben wir, weil wir glauben, dass sich das ändern kann.
Wer ist zuständig – und warum es kompliziert ist
Für den Küstenschutz auf Baltrum ist der NLWKN zuständig – der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Der Südwall am Bootshafen fällt allerdings nicht in seinen Bereich, denn er gehört zum Hafengebiet.
Für das Hafengebiet ist die Niedersachsen Ports GmbH (NPorts) verantwortlich, eine landeseigene Gesellschaft. NPorts verpachtet dem Bootsclub Baltrum (BBC) die Hafenfläche. Und genau in diesem Pachtvertrag liegt eine Schwierigkeit, die die Lage seit Jahren festfährt.
Ein Vertrag, der wenig Spielraum lässt
In §6 des Pachtvertrags zwischen NPorts und dem BBC steht wörtlich:
„Der ‚Nutzer' hat ‚NPorts' gegenüber keinen Anspruch auf Schutz der Fläche sowie der Anlage und ihres Betriebes gegen Einwirkungen des Hochwassers, des Eisganges, der Strömung, des Seeganges sowie der Schifffahrt und anderen Benutzungen der Hafenanlage."
Mit „Nutzer" ist der BBC gemeint – also der Verein, der den Hafen betreibt, pflegt und in Schuss hält. Der Satz bedeutet im Klartext: Der Bootsclub zahlt Pacht für die Hafenfläche, aber NPorts ist vertraglich nicht verpflichtet, diese Fläche vor Hochwasser, Wellengang oder Sturmschäden zu schützen. Das Risiko liegt vollständig beim Verein.
Das hat konkrete Folgen:
Selbst bauen kann der BBC nicht ohne Genehmigung von NPorts.
Selbst finanzieren kann er die Maßnahmen nicht – dafür sind sie zu teuer für einen Verein.
Einen Rechtsanspruch auf Schutzmaßnahmen gibt es vertraglich nicht.
Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen. NPorts betreibt Häfen in ganz Niedersachsen und muss wirtschaftlich abwägen. Dass dabei größere Standorte wie Norddeich mehr Aufmerksamkeit bekommen, ist nachvollziehbar. Aber es darf nicht dazu führen, dass ein kleiner Hafen, der für seine Insel eine große Rolle spielt, dauerhaft durchs Raster fällt.
Drei Baustellen, die zusammenhängen
Der Südwall ist nicht das einzige Thema im Hafen – er ist nur das dringendste. Wer genauer hinschaut, sieht, dass mehrere Probleme ineinandergreifen:
Der Südwall ist zu niedrig. Bei Südwestwind und leicht erhöhtem Wasserstand läuft der Hafen voll.
Die Nordseite des Hafens zeigt Risse und Verformungen. NPorts ist darüber informiert.
Die Steganlage des BBC ist fast 60 Jahre alt und am Ende ihrer Nutzungszeit. Eine neue muss gebaut werden – aber das ergibt erst Sinn, wenn der Hafen geschützt ist. Einen neuen Steg in einen ungeschützten Hafen zu setzen, wäre keine nachhaltige Investition.
Diese drei Punkte hängen zusammen: Ohne Südwall-Erhöhung kein sinnvoller neuer Steg. Ohne neuen Steg keine Zukunft des Bootshafens. Ohne Bootshafen weniger Gäste für die Insel. Das ist die Kette, die wir durchbrechen wollen – und der Südwall ist der erste Schritt.
Was bisher passiert ist
Dieses Thema liegt nicht erst seit gestern auf dem Tisch. Aber es hat lange niemand systematisch aufgearbeitet.
Der vor wenigen Wochen neu gewählte Vorstand des BBC hat das Thema direkt zur Priorität gemacht: Pachtvertrag analysiert, Zuständigkeiten geklärt, den Zustand des Hafens dokumentiert und den Kontakt zu NPorts und zur Gemeinde gesucht. Parallel hat sich der BBC schriftlich an die Ratsmitglieder gewandt und um politische Rückendeckung gebeten. Eine Antwort steht bisher aus.
Hand in Hand für Baltrum
Wir begrüßen sehr, dass sich die CDU Baltrum auch diesem Thema anschließt und wir so deutlich mehr Gewicht auf Landesebene einbringen können.
Denn hier liegt ein entscheidender Hebel: NPorts ist eine landeseigene GmbH – die Gesellschafterin ist das Land Niedersachsen. Entscheidungen über Investitionen in einzelne Hafenstandorte fallen nicht auf der Insel, sondern in Hannover. Die CDU kann über ihre Parteistrukturen auf Landesebene genau dort ansetzen und das Thema bei den zuständigen Stellen im Wirtschaftsministerium platzieren. Das ist eine Möglichkeit, die eine überparteiliche Wählergemeinschaft wie Moin Baltrum so nicht hat – und genau deshalb ist diese Zusammenarbeit sinnvoll.
Moin Baltrum übernimmt die Aufarbeitung, die öffentliche Kommunikation und den direkten Dialog mit NPorts und der Gemeindeverwaltung. Die CDU bringt ihre politische Reichweite auf Landesebene ein. Unterschiedliche Stärken, ein gemeinsames Ziel.
Der Schutz unseres Hafens ist keine Frage der politischen Richtung. Es ist ein Thema, bei dem alle an einem Strang ziehen müssen – und genau das tun wir jetzt.
Was wir uns wünschen
Drei Dinge:
1. Ein offenes Gespräch mit NPorts. Keine Konfrontation, sondern ein gemeinsamer Blick auf die Lage: Was ist technisch nötig? Was ist finanzierbar? Welche Fördermittel kommen in Frage? Der BBC hat Erfahrung und Engagement – was fehlt, ist ein Partner auf der anderen Seite des Tisches.
2. Politische Rückendeckung von der Gemeinde. Der Bootsclub hat sich an die Ratsmitglieder gewandt und um Unterstützung gebeten. Wir würden uns wünschen, dass der Rat das Thema auf die Agenda setzt – nicht als Gefallen an den Bootsclub, sondern weil der Hafen Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur dieser Insel ist.
3. Unterstützung auf Landesebene. NPorts-Entscheidungen fallen in Hannover. Deshalb braucht es politische Stimmen, die Baltrum dort sichtbar machen. Mit der CDU an Bord haben wir jetzt eine direkte Verbindung in die Landesstrukturen – und die Chance, dass unser Anliegen dort auch gehört wird.
Wie es weitergeht
Wir bleiben dran. Konkret bedeutet das:
Wir dokumentieren den Zustand des Hafens und halten die Insulaner*innen auf dem Laufenden.
Wir suchen weiter das Gespräch mit NPorts und der Gemeindeverwaltung.
Wir arbeiten mit der CDU und allen, die sich konstruktiv beteiligen wollen, zusammen.
Wir berichten über jeden Fortschritt – offen und transparent.
Wir glauben, dass Baltrum eine Politik braucht, die Probleme benennt und Lösungen vorantreibt. Der Bootshafen ist dafür ein gutes Beispiel: Das Problem ist klar, die Lösung ist technisch machbar, und der Nutzen kommt der ganzen Insel zugute.
Wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, kann das hier eine Erfolgsgeschichte werden.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
Der Südwall im Bootshafen ist beim Oktober Sturm 2025 nicht mehr zu sehen gewesen. Die Wellen rauschten ungebremst in den Hafen.
Gut zu erkennen, wie stark die Steganlage und die Boote von den Wellen beansprucht werden.

