Schütte x Bengen

Baltrum kann wählen – in welche Richtung soll’s gehen?

PODIUMSDISKUSSION ZUR BÜRGERMEISTERWAHL 2026 AUF BALTRUM

Lesedauer: ca. 25 Minuten

Am Sonntag beantworteten beide Bewerber für das Bürgermeisteramt die Fragen von Moderatorin Simone Ulrichs. Später gingen sie auch auf Fragen aus dem Publikum ein. Die Regel war einfach. "Kurz, knapp, klar, kenau."

Das hat nicht immer funktioniert, aber dafür wurde es an der ein oder anderen Stelle umso spannender.

Spätestens mit den Fragen aus dem Publikum ging es nicht mehr um allgemeine Vorstellungen. Immer mehr standen die wichtigen Punkte im Mittelpunkt. Wer ist zuständig? Was kann die Gemeinde wirklich beeinflussen? Woher kommt das Geld? Was würde der zukünftige Bürgermeister überhaupt anders machen?

Wir haben die Diskussion ausgewertet und die Aussagen hier zusammengefasst. Dies ist kein Wortprotokoll. Wir haben Wiederholungen und Abschweifungen gekürzt. Die Fragen und wichtigen Antworten sind aber inhaltlich vollständig. Sachangaben und Hintergründe haben wir, soweit möglich, zusätzlich mit öffentlich zugänglichen Quellen abgeglichen (Das Quellenverzeichnis findet ihr am Ende des Beitrags). Wo wir Hintergründe erklären oder unsere eigene Sicht ergänzen, steht ausdrücklich „Einordnung / Kontext von MOIN“.

Und weil so viel Kommunalpolitik sicher nicht ganz ohne Nervennahrung auskommt, gab es von uns vorher Popcorn für alle – natürlich kostenlos. Ein kleiner Gruß an die Zeit, als die Turnhalle noch als Kino genutzt wurde. Inhaltlich war der Nachmittag ohnehin spannend genug für eine große Tüte.

Transparenzhinweis

Mehrere Mitglieder und Ratskandidat*innen von MOIN Baltrum stellten Fragen aus dem Publikum. Dazu gehörten Ben Hinrichs, Constanze Gaiser, Ralf Olchers, Tim Bruns-Strenge und Tim Woste.

Auch Jens Gaiser meldete sich mehrmals und stellte einige ausführlichere Nachfragen. Er kandidiert selbst bei dieser Kommunalwahl als parteiloser Einzelkandidat für den Gemeinderat.



Und dann ging es los:

Wie nehmen Gäste Baltrum eigentlich wahr?

Die erste Frage am Nachmittag schaute gezielt nach draußen. Welche Schulnote würden Gäste Baltrum wohl geben, und was mögen sie hier besonders?

Beide Kandidaten bewerteten Baltrum etwa mit einer Note zwischen 2 und 3.

Jann Bengen sprach besonders von Ruhe, Natur und einem langsameren Tempo.

Oliver Schütte betonte auch die persönliche Nähe. Gäste kennen ihre Vermieter*innen oft persönlich. Sie werden am Hafen abgeholt und erleben Baltrum weniger anonym als größere Urlaubsorte.

Gleich danach wurde über den bekannten „Dornröschen“-Charakter der Insel gesprochen. Es wurde überlegt, was davon bleiben sollte.

Schütte sagte, dass die Autofreiheit nicht angetastet werden darf. Er stellte die Natur und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt.

Bengen stellte dagegen den Begriff „Dornröschen der Nordsee“ selbst infrage. Er kann inzwischen auch verschlafen oder langweilig klingen. Baltrum sollte deshalb über einen moderneren und zukunftsorientierteren Auftritt nachdenken.

Einordnung / Kontext von MOIN

Baltrum soll seinen Charakter nicht verändern. Im Gegenteil. Aber selbst eine ruhige und entspannte Insel braucht einen modernen und professionellen Auftritt.

„Dornröschen“ kann ruhig schlafen. Die Leute draußen sollten nur wissen, warum es sich lohnt, es zu besuchen.

Pferde, Fahrräder, Strand und Hunde: Fragen aus der Gästeperspektive

Mehrere Fragen der Moderatorin bezogen sich direkt auf das Urlaubserlebnis der Gäste. Das passt zu Baltrum, weil wir vom Tourismus leben. Bei einer Bürgermeisterwahl sind diese Themen aber anders zu bewerten als Haushalt, Wohnen, Infrastruktur oder die Leitung der Gemeindeverwaltung.

Trotzdem sind sie ganz dabei.

Soll Baltrum Pferdeinsel bleiben?

Hier waren sich beide völlig einig. Ja.

Bengen nannte Pferde und Pferdefuhrwerke ein wichtiges besonderes Merkmal. Er sieht Konflikte vor allem dort, wo Menschen Arbeitspferde anders bewerten und ihren Einsatz grundsätzlich in Frage stellen.

Schütte sagte auch, dass Pferde ein Kulturgut sind. Er betonte, wie sehr sie das Bild von Baltrum prägen und wie sie helfen, das Leben dort langsamer zu machen.

Beide stellten jedoch klar, dass die Gemeinde baurechtliche Vorgaben für notwendige Stallungen zum Beispiel nicht einfach aufheben kann.

Was kann man gegen Fahrräder im Dorf tun?

Die Frage bezog sich offensichtlich eher auf die Sicht der Gäste. Was kann man tun, damit sie sich auf den Straßen sicherer fühlen?

Schütte schlug vor, zeitlich begrenzte Schiebezonen an besonders sensiblen Stellen einzurichten. Zum Beispiel nannte er den Bereich am Kinderspielhaus. Er kennt dieses Modell von Spiekeroog.

Bengen setzte mehr auf gegenseitige Rücksichtnahme. Nicht nur Fahrradfahrer*innen müssen vorsichtig fahren. Gleichzeitig muss Gästen klar gesagt werden, dass Baltrums Straßen keine Fußgängerzonen sind. Dort fahren auch Kutschen, Lastenräder und betrieblicher Verkehr.

Zwischen beiden gab es schon eine kleine Diskussion darüber, wer eine solche Schiebezone überhaupt ins Leben rufen müsste. Schütte machte deutlich, dass die Initiative von Baltrum kommen müsse. Danach müsse der Landkreis als zuständige Straßenbehörde einbezogen werden.

Einordnung / Kontext von MOIN

Die Frage wurde hier etwas zu sehr nur aus der Perspektive der Gäste gestellt.

Natürlich sollen Gäste sicher unterwegs sein. Aber es geht auch um uns Insulaner*Innen. Es betrifft Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Es betrifft Betriebe, die Gepäck oder Waren transportieren müssen etc.

Deshalb sollte die Fragestellung nicht als „Fahrräder gegen Fußgänger“ verstanden werden. Im Mittelpunkt steht vielmehr, wie der begrenzte öffentliche Raum so gestaltet werden kann, dass ein gutes Miteinander für alle ermöglicht wird. Als mögliche Maßnahmen würden wir beispielhaft doch das ein oder andere  Straßenschild für Geschwindigkeitsbegrenzungen oder eine klarere Kennzeichnung der Fuß- und Radwege vorschlagen.

Soll der Badestrand weiter nach Osten verlegt werden?

Beide Kandidaten waren zurückhaltend.

Bengen fragte, ob man damit nicht vor allem bestehende Probleme nach Osten verschieben würde. Einrichtungen und Infrastruktur müssten mitziehen. Die heutige Sandsituation könne sich ohnehin wieder ändern.

Schütte wies auch auf die rechtliche Seite hin. Der Strand gehört dem Land. Die Gemeinde pachtet ihn. Eine Erweiterung würde Änderungen am Pachtvertrag erfordern. Außerdem wäre zusätzliche Infrastruktur nötig.

Sein Fazit: Zuerst sollte man das, was schon da ist, besser verwenden.

Wie sollte man sich Hunden am Strand gegenüber verhalten?

Auch hier waren sich beide grundsätzlich einig. Hundegäste sind eine wichtige Zielgruppe und sollen nicht ausgeschlossen werden.

Bengen will klarer kommunizieren und striktere Regeln durchsetzen. Er erzählte zum Beispiel von einem freilaufenden Gästehund, der auf ein Seehundbaby zuging, weil dieser dachte, dass am Hundestrand keine Anleinpflicht herrsche.

Schütte verwies auf die bereits vorhandenen Angebote für Hundebesitzer*innen und brachte zusätzlich die Idee ins Spiel, eine böllerfreie Silvesterzeit touristisch stärker für Hundegäste zu nutzen.

Neßmersiel: Was passiert, wenn die aktuelle Parkplatzregelung endet?

Dann wurde es struktureller.

Das Be- und Entladen von Gepäck in Neßmersiel ist schwierig. Außerdem gibt es keine Lademöglichkeiten für Elektroautos. Es wurde gefragt, was sich nach der Neuvergabe der Parkflächen ändern kann/soll.

Schütte verwies auf den 1. Januar 2028.

Dann würden die Karten neu gemischt und Baltrum sowie Dornum könnten wieder stärkeren Einfluss nehmen. Verkehrsführung, Ladepunkte und Gepäcklogistik könnten dann neu gedacht werden.

Bengen will wieder das frühere System einführen. Der Gast fährt bis zum Hafen, gibt den Autoschlüssel ab und der Parkdienst übernimmt das Fahrzeug.

Er verwies außerdem darauf, dass Dornum bereits in Richtung einer erneuten Selbstbewirtschaftung denke und Baltrum dabei mitwirken müsse.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hier geht es um mehr als nur um Parkplätze.

Kurzer Faktencheck: Der Pachtvertrag für die HZV-Parkflächen endet am 31.12.2027. Was ab 1.1.2028 tatsächlich möglich wird, hängt dann von den neu getroffenen Beschlüssen und der künftigen Bewirtschaftung ab.

Neßmersiel ist der erste und der letzte Eindruck einer Baltrumreise. An- und Abreise sowie sämtliche  Informationen dazu müssen deshalb endlich als einheitlicher Ablauf konzipiert werden.

Gästen ist es kaum wichtig, welcher Bereich zu welcher Gesellschaft gehört. Er merkt sich nur, ob seine Reise schön oder stressig war.

Wie wird Baltrum im Jahr 2035 aussehen?

Bei dieser Frage kamen beide Kandidaten schnell auf das Thema Wohnraum zu sprechen.

Bengen möchte jungen Familien bezahlbares Wohnen und wirtschaftliche Perspektiven ermöglichen. Ohne junge Menschen fehlen irgendwann nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Feuerwehrleute, Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche.

Schütte bezeichnete Wohnraum ebenfalls als entscheidenden Punkt. Mehr verfügbare Wohnungen könnten langfristig auch die Mietpreise senken.

Er verband das Thema gleichzeitig wieder mit Tourismus: Wer 2035 Stammgäste haben wolle, müsse heute Menschen erstmals für Baltrum begeistern.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hier blieb die Antwort insgesamt noch zu allgemein. Wohnraum ist inzwischen ein Konsens-Thema. Kaum jemand bestreitet das Problem. Die nächste Wahlperiode muss deshalb deutlich stärker die Frage beantworten: Welche Flächen, welche Gebäude, welche Modelle und welche Förderprogramme kommen tatsächlich infrage?

„Wir brauchen Wohnraum“ ist richtig. Aber nicht genug.

Digitalisierung und KI: Wo hilft sie, wo nicht?

Schütte sieht Chancen, aber auch Grenzen.

Gerade eine kleine Verwaltung habe viele individuelle Fälle, die sich nicht so einfach automatisieren lassen wie tausendfach identische Vorgänge in einer Großstadt. Auch im Tourismus dürfe persönlicher Kontakt nicht komplett durch Chatbots ersetzt werden.

Bengen sieht Digitalisierung klar als Entlastung. Bestehende Landeslösungen für Meldesysteme, Terminvergaben oder ähnliche Verwaltungsleistungen sollten stärker genutzt werden.

KI könne außerdem dabei helfen, sehr umfangreiche Unterlagen und Gutachten schneller zusammenzufassen und für Entscheidungen aufzubereiten.

Einordnung / Kontext von MOIN

Digitalisierung gehört ganz klar in eine moderne Verwaltung.

Bei KI würden wir allerdings einen wichtigen Zusatz machen: Eine Zusammenfassung kann Arbeit erleichtern. Sie darf aber fachliche Prüfung und Verantwortung nicht ersetzen. Angestellte einer Gemeinde und auch Ratsmitglieder, die KI nutzen wollen, sollten entsprechend geschult sein. Gerade im Hinblick auf den Datenschutz (die Gemeinde verwaltet überwiegend personenbezogene Daten) ist das nicht unerheblich.

Baltrum oder Festland: Wie wichtig ist der Wohnort des Bürgermeisters?

Schon Moderatorin Simone sprach einen der offensichtlichsten Unterschiede in der Vorstellungsrunde der Kandidaten an.

Bengen lebt auf Baltrum und betonte, dass er auch nach seiner Amtszeit hier bleiben werde. Er müsse also selbst mit den langfristigen Folgen seiner Entscheidungen leben.

Schütte lebt mit seiner Familie am Festland.

Für viele Wählerinnen und Wähler ist das eine der wichtigsten Fragen und wurde schon mehrfach angesprochen. Die Erfahrungen mit einem früheren Bürgermeister haben bei vielen die Sorge hinterlassen, dass ein Bürgermeister, der viel Zeit am Festland verbringt, im Alltag schwer greifbar sein könnte: nicht schnell auf der Insel, nicht unmittelbar ansprechbar und möglicherweise zu weit entfernt von den Problemen, die sich hier ganz konkret stellen.

Diese Angst wurde in der Diskussion doch sehr deutlich. Niemand will einem Bürgermeister seinen privaten Wohnort vorschreiben. Es geht aber darum, ob die Gemeinde einen Bürgermeister bekommt, der im täglichen Leben präsent ist und kurzfristig reagieren kann.

Schütte erklärte offen, dass er nicht versprechen werde, sieben Tage die Woche auf Baltrum zu sein. Er wolle von Montag bis Freitag vollständig vor Ort arbeiten und darüber hinaus jederzeit erreichbar sein.

Damit hat er zumindest eine konkrete Antwort auf die zentrale Sorge gegeben: Er will nicht nur gelegentlich auf die Insel kommen, sondern seinen Arbeitsschwerpunkt während der Woche vollständig nach Baltrum verlagern.

In der Publikumsrunde wurde genau hier noch einmal nachgehakt.

Constanze Gaiser von MOIN Baltrum wollte wissen, wie seine Präsenz gerade in Ferienzeiten funktionieren soll, wenn auf der Insel gleichzeitig besonders viel Arbeit anfällt.

Schütte verwies auf die familiäre Organisation und darauf, bereits in den vergangenen Jahren gezeigt zu haben, dass er trotz seines Wohnortes am Festland immer erreichbar und auf Baltrum präsent sein könne.

Gleichzeitig sieht er in seinem Wohnort am Festland auch einen Vorteil: Er sei kein Grundstückseigentümer und kein Gewerbetreibender auf Baltrum und damit weniger in lokale wirtschaftliche Interessen eingebunden und unabhängiger.

Einordnung / Kontext von MOIN

Für viele Wählende wird diese Frage vermutlich zu den wichtigsten überhaupt gehören.

Ist er im Alltag greifbar, kennt er die Situation vor Ort und kann er auch dann schnell handeln, wenn es schwierig wird?

Bengen hat bei diesem Punkt den offensichtlichen Vorteil, dauerhaft auf Baltrum zu leben. Schütte muss dagegen sehr konkret zeigen, dass sein Lebensmittelpunkt am Festland nicht zu einer Wiederholung früherer Erfahrungen führt.

Seine Aussage, von Montag bis Freitag vollständig vor Ort arbeiten und jederzeit erreichbar sein zu wollen, ist deshalb wichtig. Sie nimmt die Sorge auf. Entscheidend wird nun sein, ob daraus im Alltag  eine verlässliche Präsenz entsteht.

SindBad: reparieren, sanieren oder neu denken?

Schütte hält Abriss und Neubau angesichts der Haushaltslage für nicht finanzierbar.

Kurzfristig bleibt nur, den Betrieb zu erhalten und darauf zu hoffen, geeignete Fördermittel für größere Maßnahmen zu bekommen.

Bengen möchte zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme. Danach könne man entscheiden, ob einzelne Reparaturen, eine größere Sanierung oder langfristig ein grundsätzlich anderer Weg sinnvoll ist.

Er brachte auch ungewöhnlichere Finanzierungsmodelle ins Spiel, beispielsweise durch zusätzlichen Wohnraum auf dem Gebäude.

Einordnung / Kontext von MOIN

Auch wir beschäftigen uns seit Längerem mit externer Expertise für das SindBad. Eine Bestandsanalyse ist aus unserer Sicht zwingend, bevor Millionenentscheidungen diskutiert werden. Unsere bisherigen internen Überlegungen gehen ebenfalls eher in Richtung fundierter Bestandsanalyse und Prüfung der Fördermittel als in Richtung Neubau.

Straßensanierung: Wer bezahlt – und wer nimmt die Schaufel?

Schütte lehnt Anliegerbeiträge grundsätzlich ab.

Er erzählte von einer Gemeinschaftsaktion aus seiner Kindheit, bei der Anwohner*innen gemeinsam an einem Kanalprojekt gearbeitet hätten, und übertrug diesen Gedanken auf Baltrum. Er bezeichnete seine eigene Idee dabei selbst als möglicherweise naiv.

Bengen hielt eine solche Lösung bei professioneller Straßensanierung für unrealistisch. Entwässerung und technische Anforderungen müssten von Fachfirmen umgesetzt werden.

Wenn keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden, müsse man aus seiner Sicht auch über die bestehende Straßenausbaubeitragssatzung sprechen.

Einordnung / Kontext von MOIN

Die Idee hinter Schüttes Vorschlag finden wir interessant: Nicht jedes Problem muss automatisch nach dem Muster „Gemeinde beauftragt Firma und bezahlt alles“ gelöst werden. Stichwort “Crowdfunding” und ähnliche Modelle.

Aber Gemeinschaft ist kein Finanzierungsmodell für eine komplette Straßensanierung. Schütte meinte das sicher nicht ganz ernst (naiv), aber die Idee und das Umdenken dahinter sind eine Überlegung wert.

Der wichtigste gemeinsame Satz der beiden Kandidaten war ein anderer. Wir können nicht noch einmal fünf oder zehn Jahre warten. Es muss jetzt etwas passieren.

Dorfgemeinschaftshaus und Ganztagskindergarten

Simone Ulrichs fragte hier nach der Meinung der Kandidaten zu einem möglichen Dorfgemeinschaftshaus, mit dem Zusatz, dass die Kostenfrage hier mal einfach keine Rolle spiele.

Bengen hält ein Dorfgemeinschaftshaus grundsätzlich für sinnvoll und verwies auf planerische Möglichkeiten im Bereich um den Wuppdi.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass er keine kurzfristige Finanzierung dafür sieht.

Schütte war wesentlich offensiver.

Ein solches Haus könne Treffpunkt für unterschiedliche Generationen werden. Vor allem die Kinderbetreuung sei bereits heute ein konkretes Problem. Er berichtete von Bewerbungsgesprächen im Rathaus, in denen qualifizierte Bewerberinnen gefragt hätten, wie sie eine Vollzeitstelle annehmen sollen, wenn die Betreuung ihres Kindes mittags endet.

Für ihn ist Ganztagsbetreuung deshalb nicht nur Familienpolitik, sondern auch Fachkräftepolitik.

Einordnung / Kontext von MOIN

Genau dieser Zusammenhang ist wichtig.

Kinderbetreuung ist kein nettes Extra für Eltern. Wenn wir junge Familien und gut ausgebildete Mitarbeitende auf die Insel holen wollen, brauchen wir eine verlässliche Betreuung als Teil der wichtigen Infrastruktur.

Wie gewinnt Baltrum neue Gäste?

Schütte unterschied drei Gruppen. Es gibt Stammgäste. Dann gibt es Menschen, die Baltrum noch gar nicht kennen. Die dritte Gruppe sind ehemalige Gäste, die nicht mehr wiederkommen.

Für neue Gäste nannte er Hochzeiten und Veranstaltungen als Beispiele. Er schlug auch gemeinsame „Olympische Spiele der Ostfriesischen Inseln“ vor.

Für ehemalige Gäste brachte er eine andere Idee ein: nicht darüber spekulieren, warum sie wegbleiben, sondern sie direkt fragen. Beispielsweise per Postkarte mit QR-Code zu einer kurzen Befragung.

Bengen würde einen Schritt früher ansetzen.

Baltrum brauche aus seiner Sicht zuerst ein gemeinsames touristisches Leitbild. Was wollen wir sein? Welche Gäste wollen wir? Und was können die einzelnen Betriebe überhaupt leisten?

Erst danach könne das begrenzte Marketingbudget sinnvoll verteilt werden.

Als bereits funktionierende Zielgruppen seines Hotels nannte er Seniorenreisen. Größere Marketingkampagnen würde er eher professionell auslagern.

Gode Tied: Wie sichern wir die Pflege auf Baltrum?

Auch der ambulante Pflegedienst Gode Tied war eine eigene Frage der Moderatorin.

Bengen sieht die Gemeinde vor allem unterstützend: Wohnraum zur Verfügung stellen, bei Personalsuche helfen und im Notfall Kontakte zu Kranken- oder Pflegekassen herstellen.

Schütte nannte ebenfalls Wohnraum, ging aber einen Schritt weiter: Wenn bei Gode Tied kurzfristig Verwaltungsarbeit liegen bleibt, könne die Gemeinde seiner Ansicht nach nicht nur Kontakte herstellen, sondern mit ihren Verwaltungsfachkräften auch ganz konkret bei der Bewältigung dieser Aufgaben unterstützen.

Einordnung / Kontext von MOIN

Das ist genau die Größenordnung, in der eine kleine Inselverwaltung pragmatisch helfen kann.

Die Gemeinde kann keinen eigenen Pflegedienst ersetzen. Aber sie kann immerhin versuchen, zu verhindern, dass ein für die Insel lebenswichtiges Angebot an Bürokratie, Personal oder Wohnraum scheitert.

Mehrzweckhalle: Warum benutzen wir sie nicht?

Beide Kandidaten wollen die Halle wieder stärker für Sport und Veranstaltungen öffnen.

Schütte sieht darin eine vorhandene Ressource, die genutzt werden sollte, solange beispielsweise Lärmschutz berücksichtigt wird.

Bengen erinnerte daran, dass dort früher bereits Veranstaltungen stattgefunden hätten, und sieht ebenfalls keinen Grund, sie den geeigneten Veranstalter*innen nicht zur Verfügung zu stellen.

Moderatorin Simone Ulrichs fragte daraufhin noch einmal konkreter nach: Warum war das in den vergangenen Jahren dann kaum möglich?

Bengen erklärte, das könne er nicht beantworten, weil es eine Frage an die Verwaltung sei.

Schütte konnte die Vergangenheit ebenfalls nicht erklären, bot jedoch an, die Halle künftig beispielsweise auch als Schlechtwetteralternative für Veranstaltungen wieder nutzbar zu machen.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hier war leider offensichtlich, dass wirklich niemand genau sagen konnte, warum die Halle in den letzten Jahren nicht für Veranstaltungen zur Verfügung stand.

Aber: es fehlt anscheinend gar nicht immer an Geld oder Gebäuden. Manchmal haben wir etwas lange – und nutzen es einfach nicht gut genug.



Ab hier übernahm das Publikum

Nach dem moderierten Teil öffnete Simone Ulrichs die Diskussion für Fragen aus dem Publikum. Für die Lesbarkeit haben wir die Fragen deshalb redaktionell zusammengefasst. Die folgende Reihenfolge entspricht nicht dem chronologischen Ablauf. Ähnliche Themen stehen beieinander, auch wenn sie während der Veranstaltung an verschiedenen Stellen angesprochen wurden. Wiederholungen und kurze Zwischenfragen haben wir zusammengeführt, wo möglich.

Ab hier wurde die Diskussion auch viel weniger vorhersehbar. Die Fragen waren genauer und manchmal auch persönlicher. Es wurde öfter nachgehakt, wenn eine Antwort zu allgemein wirkte. Und es ging mehrfach nicht mehr nur darum, welche Ziele die Kandidaten grundsätzlich haben, sondern auch um die Person dahinter.

Haushaltssicherung: Wie kommen wir wirklich aus der finanziellen Lage heraus?

Tobias Poley erinnerte daran, dass Baltrum schon einmal finanziell fast nicht mehr handlungsfähig war. Er fragte nach einem echten Plan gegen die Verschuldung.

Schütte verwies auf das bestehende Haushaltssicherungskonzept. Die Einnahmeschraube sei bereits weit gedreht worden. Sein größter Ansatzpunkt liege deshalb auf der Ausgabenseite, insbesondere bei Personalkosten. Wenn Mitarbeitende in Ruhestand gehen, sollten Aufgaben möglichst von vorhandenen Kolleginnen und Kollegen übernommen werden.

Bengen sagte etwas Ähnliches. Für ihn machen die Personalkosten auch den größten Teil der Ausgaben aus. Die Gemeinde kann offene Stellen intern besetzen oder Aufgaben an andere Firmen abgeben.

Gleichzeitig müsse die Einnahmeseite steigen. Sein Beispiel war erneut eine höhere touristische Auslastung im April.

Jens Gaiser hakte danach direkt nach. Wenn Gebühren und Abgaben nicht weiter erhöht werden sollen: Woher sollen neue Einnahmen kommen? Und wie gewinnt Baltrum tatsächlich mehr Gäste?

Schütte blieb beim Ansatz höherer Übernachtungszahlen und der daraus folgenden zusätzlichen Steuereinnahmen.

Bengen verwies erneut auf das Leitbild und auf gezieltes Marketing.

Einordnung / Kontext von MOIN

Uns erschien diese Antwort bei beiden noch etwas zu einfach.

Ja, Personalkosten sind hoch. Und ja, höhere touristische Umsätze bringen langfristig mehr Einnahmen.

Aber was ist wichtiger? Dass die Arbeit ordentlich und professionell erledigt wird oder dass Kosten gespart werden? Genau diese Frage kam später glücklicherweise noch einmal sehr konkret.

Beim Thema Tourismus wurde es persönlich. "Warum hast du es denn nicht schon gemacht?"

Als Bengen Seniorenreisen und Bildungsurlaub als gute Zielgruppen nannte, griff Schütte ihn direkt an.

Wenn das so sinnvoll sei, warum habe Bengen entsprechende Angebote und gemeinsame Initiativen nicht längst stärker vorangetrieben? Bei Gesprächsrunden der Gemeinde mit Betrieben sei er ebenfalls nicht dabei gewesen. (Gemeint ist zum Beispiel der “Runde Tisch/Mitnanner”)

Bengen widersprach. Sein Hotel biete seit Jahren Seniorenreisen an und arbeite dabei unter anderem mit Organisationen wie Caritas und AWO zusammen. Dass er an Gesprächsrunden nicht teilgenommen habe, liege daran, dass er seinen Betrieb führen müsse.

  • Aus dem Publikum waren an dieser Stelle Rufe zu hören, wie z.B.: “Wir doch auch!”

Jens Gaiser wollte daraufhin eine konkrete Zusage: Würde sich das als Bürgermeister ändern?

Bengen sagte: Ja.

Constanze Gaiser fragte anschließend nach der Zukunft seines Hotels.

Auch hier war Bengens Antwort eindeutig: Die Nachfolge sei innerhalb der Familie geregelt und sein Schwerpunkt würde dann vollständig auf dem Bürgermeisteramt liegen.

Große Investitionen: Woher kommen Fördermittel?

Constanze Gaiser von MOIN Baltrum fragte danach grundsätzlich weiter:

Wenn die Gemeinde so wenig Geld hat, wie sollen dann überhaupt noch größere Investitionen möglich sein?

Schütte setzt auf Fördermittel und mehr Zusammenarbeit kleiner Kommunen. Einzelne Gemeinden können viele Programme weder personell beobachten noch allein alle Voraussetzungen erfüllen. Als Beispiel nannte er gemeinsame Projekte mehrerer Inseln oder Kommunen.

Bengen verwies auf politische Netzwerke der CDU bis auf Landesebene und nannte Kontakte zu politischen Ansprechpartner*innen als Möglichkeit, konkrete Projekte gezielt zu platzieren.

[Einordnung] Das ist Bengens Wahlkampfaussage. Dass dieses Netzwerk tatsächlich konkrete Förderchancen verbessert, ist nicht unabhängig belegt;

Und dann wurde es wieder persönlich.

Das CDU-Netzwerk und die vergangenen fünf Jahre

Schütte fragte Bengen ganz direkt, warum dieses Netzwerk in den vergangenen fünf Jahren nicht bereits stärker für Baltrum genutzt worden sei.

Bengen trennte seine bisherige Rolle als Ratsmitglied von der Arbeit der Verwaltung: Ein Ratsmitglied könne Anträge stellen. Umsetzung und Fördermittelakquise seien anschließend Sache der Verwaltung.

Schütte griff daraufhin die 5 Anträge der CDU (der laufenden Ratsperiode 2012 - 2026) auf und sprach einen der ersten Anträge zur Aufwandsentschädigung für Ratsmitglieder aus dem Jahr 2021 an. Er kritisierte insbesondere den Zeitpunkt unmittelbar nach der damaligen Kommunalwahl.

[Einordnung] Die geltende Entschädigungssatzung nennt 50,00 Euro pro Rats- oder Ausschusssitzung. Separat gibt es Verdienstausfall (15 Euro/Stunde, max. 120 Euro/Tag). Auf diese Entschädigung haben alle Ratsmitglieder des aktuellen Rates verzichtet (aufgrund der schwierigen Haushaltslage der Gemeinde, “Baltrum ist pleite“, meinte Ben Hinrichs dazu während der Diskussion) – mit Ausnahme von Bengen.

Bengen bezeichnete die Darstellung als polemisch und verteidigte die Aufwandsentschädigung. Sie sei rechtlich vorgesehen und eine Form der Anerkennung ehrenamtlicher Ratsarbeit. Er habe durch die lange Ratsarbeit das Gefühl, sie nun endlich beanspruchen zu wollen.

Moderatorin Simone Ulrichs griff schließlich ein und führte die Diskussion zurück.

Einordnung / Kontext von MOIN

Es ging hier um einen konkreten Vorgang, der nicht einfach als „alte Kamelle“ abgetan werden kann. Es mutet durchaus seltsam an, dass ausgerechnet ein einzelnes Ratsmitglied diese Aufwandsentschädigung beansprucht, während andere darauf verzichten.

Selbst wenn eine solche Zahlung rechtlich möglich oder grundsätzlich vorgesehen ist. Bengen argumentierte mit seiner langen Ratszugehörigkeit – die haben andere Mitglieder ebenfalls.

Muss der Bürgermeister auf Baltrum selbst mitarbeiten?

Ralf Olchers von MOIN Baltrum stellte Bengen eine sehr konkrete Frage zu seiner Rolle als Quereinsteiger in der Verwaltung.

Der Hintergrund: Baltrum hat eine kleine Gemeindeverwaltung, in der der Bürgermeister nicht ausschließlich politische und repräsentative Aufgaben übernimmt. Gleichzeitig hatten beide Kandidaten zuvor erklärt, dass bei den Personalkosten gespart werden müsse und frei werdende Stellen möglicherweise nicht vollständig nachbesetzt werden können.

Olchers wollte deshalb wissen, welche praktische Arbeit Bengen als Bürgermeister selbst übernehmen könnte.

Seine Frage zielte ausdrücklich nicht nur auf die Leitung der Gemeinde. In einer so kleinen Verwaltung müsse der Bürgermeister im täglichen Geschäft mitarbeiten und dort Aufgaben übernehmen, wo sonst zusätzliche Mitarbeitende nötig wären. Es brauche jemanden, der selbst operativ mitarbeitet.

Bengen antwortete zunächst, dass er im Falle seiner Wahl hauptamtlicher Bürgermeister sein und hauptamtlich für Baltrum arbeiten werde.

Olchers hakte daraufhin noch einmal nach: Ihm gehe es gerade nicht darum, ob Bengen Vollzeit Bürgermeister sei, sondern was er innerhalb der Verwaltung konkret selbst übernehmen könne. Er nannte beispielhaft Aufgaben aus einzelnen Fachbereichen, Verwaltungsentscheidungen oder auch Unterstützung in Bereichen wie dem (von ihm mehrfach angesprochenen) Marketing. Ein Bürgermeister könne in einer kleinen Gemeinde nicht ausschließlich an der Spitze sitzen und die Verwaltung führen.

Bengen verwies darauf, dass es bereits ein Organigramm der Gemeinde gebe, in dem die Zuständigkeiten der Mitarbeitenden und Fachbereiche geregelt seien.

Dieses müsse er gemeinsam mit den Fachbereichsleitungen zunächst prüfen: Passt die heutige Aufgabenverteilung noch? Was kann innerhalb der Verwaltung anders verteilt werden? Und welche Aufgaben müsste oder könnte er als Bürgermeister selbst übernehmen?

Er sagte dabei auch, dass er die tägliche Arbeit der einzelnen Beschäftigten heute noch nicht ausreichend kenne, um bereits konkret sagen zu können, welche Aufgaben er selbst übernehmen würde.

Er müsse sich zunächst einarbeiten und ein Gefühl dafür entwickeln, was die jeweiligen Mitarbeitenden tatsächlich leisten. Dafür gebe es aus seiner Sicht eine Einarbeitungszeit.

Einordnung / Kontext von MOIN

Harm Olchers übernimmt derzeit als Bürgermeister unter anderem Aufgaben des Bauamts und wird nach der Wahl in den Ruhestand gehen. Oliver Schütte leitet das Ordnungsamt, ist allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und arbeitet seit Jahren operativ in der Verwaltung, auch als Standesbeamter.

Sollte Schütte nicht Bürgermeister werden, wird auch er die Gemeindeverwaltung verlassen. Das hat nichts mit einer möglichen Wahl von Jann Bengen zu tun, sondern mit seiner eigenen beruflichen Planung: Für ihn war entweder das Bürgermeisteramt oder ein anderer beruflicher Schritt am Festland der nächste Weg. So sagte er es auf direkte Nachfrage bei seinem Klönschnack im Café Tant Dora am Montag, dem 24.08. einen Tag nach der Podiumsdiskussion.

Genau deshalb ist die Frage nach der operativen Mitarbeit des zukünftigen Bürgermeisters so wichtig.

Wenn Jann Bengen Bürgermeister wird, wird er sich als Quereinsteiger in eine Verwaltung einarbeiten, die gleichzeitig an mehreren Stellen neu sortiert werden muss.

Bei Oliver Schütte wäre die Ausgangslage anders: Er kennt das Rathaus, die Abläufe und einen Teil der Verwaltungsarbeit als Daily Business. Auch unter ihm müsste jedoch geklärt werden, wer die Aufgaben des Bauamts übernimmt und wie die übrige Arbeit neu verteilt wird.

Und gleichzeitig hatten beide Kandidaten zuvor Personalkosten als möglichen Sparbereich genannt.

Kurze Rückfrage: Weniger Gäste – was kann Baltrum überhaupt selbst beeinflussen?

Jens Gaiser griff noch einmal die rückläufigen Gästezahlen auf.

Schütte antwortete, dass manche Rahmenbedingungen schlicht außerhalb der kommunalen Macht liegen. Eine direkte Zugverbindung nach Neßmersiel könne Baltrum beispielsweise nicht bauen.

Umso wichtiger sei es, bei den eigenen Stärken anzusetzen: persönliche Nähe, Erlebnisse und Angebote, die Gäste mit Baltrum verbinden.

Bengen verwies darauf, die Frage im Kern bereits über Leitbild und Marketing beantwortet zu haben.

Chaos am Anleger: Wer übernimmt Verantwortung?

Bernd Klein schilderte eine Situation am Anleger, die aus seiner Sicht schon Tage vor dem eigentlichen Vorfall aus dem Ruder gelaufen war.

Wegen des zeitweiligen Ausfalls der Baltrum I mitten in der Hochsaison musste die Abreise über andere Schiffe organisiert werden. Klein berichtete, dass Gäste ohne Online-Ticket von anderen Reisenden getrennt worden seien. Darunter seien auch Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen mit Rollator gewesen. Teilweise hätten sie lange warten müssen, obwohl sie bereits deutlich vor Abfahrt zum Anleger geschickt worden waren.

Im selben Zusammenhang schilderte Klein auch den tödlichen Unfall eines Mannes, der am Anleger ins Wasser gestürzt war.

An dieser Stelle ist eine klare Trennung wichtig:

Aus den bisher bekannten Informationen ergibt sich kein Hinweis darauf, dass die chaotische Situation den Unfall verursacht hat.

Kleins eigentliche Frage zielte auf etwas anderes.

Eine langjährige Baltrum-Urlauberin, die die Situation ebenfalls beobachtet hatte, habe anschließend ein Schreiben an Bürgermeister, Polizei, Ratsmitglieder und Baltrum-Linie geschickt. Nach Kleins Darstellung habe sie vom Bürgermeister sinngemäß die Antwort erhalten, dass die Vorgänge am Anleger Sache der Baltrum-Linie seien.

Genau daran störte er sich und seine Frage an beide Kandidaten lautete im Kern:

Kann sich die Gemeinde wirklich zurückziehen, wenn am Baltrumer Anleger erkennbar keine geordneten Abläufe mehr funktionieren?

Schütte bezeichnete den Unfall zunächst als tragisch, trennte ihn aber ebenfalls von der organisatorischen Frage. Er berichtete, dass Mitarbeitende der Gästebeitragskontrolle ihn am betreffenden Sonntag direkt über die Situation informiert hätten.

Am folgenden Montag habe man intern besprochen, dass diese Mitarbeitenden künftig bei vergleichbaren Situationen direkt das Ordnungsamt hinzuziehen sollen – ausdrücklich auch am Wochenende. Sein Punkt war damit relativ klar: Wenn die Situation am Anleger eskaliert, kann und muss die Gemeinde operativ unterstützen.

Bengen sah die Verantwortung ebenfalls nicht ausschließlich bei einer Stelle.

Eine Patentlösung gebe es nicht. Bei absehbar großen Abreisen müsse die Gemeinde frühzeitig das Gespräch mit der Baltrum-Linie suchen und darauf drängen, dass die Abläufe besser organisiert werden.

Dann widersprach Harm Olchers

Der amtierende Bürgermeister Harm Olchers meldete sich anschließend selbst aus dem Publikum und widersprach dem Eindruck, die Verwaltung habe die Situation einfach der Baltrum-Linie überlassen.

Die Gemeinde habe der Reederei wiederholt Unterstützung angeboten – auch mit zusätzlichem Personal.

Im konkreten Fall habe die Verwaltung außerdem darauf hingewiesen, dass die kleinere Baltrum III für die zu erwartende Zahl an Reisenden problematisch werden könnte, und auf eine frühzeitige Information der Gäste gedrängt.

Olchers sagte außerdem, dass Gemeindemitarbeitende am Anleger gewesen seien, insbesondere die Mitarbeitenden der Gästebeitragskontrolle. Die Baltrum-Linie selbst habe dort nach seiner Darstellung kein ausreichendes Personal eingesetzt.

Einordnung / Kontext von MOIN

Nach allem, was an diesem Nachmittag geschildert wurde, sehen wir die organisatorische Verantwortung hier vor allem bei der Baltrum-Linie. Wenn die Reederei Hunderte Fahrgäste befördert, muss sie auch dafür sorgen, dass diese am Anleger geordnet informiert und abgefertigt werden. Besonders bemerkenswert fanden wir deshalb Harm Olchers’ Aussage, dass die Gemeinde im Vorfeld Unterstützung angeboten habe, diese von der Reederei jedoch nicht angenommen worden sei.

Etwas anderes beschäftigt uns ebenfalls: Warum wurde über diesen Vorfall eigentlich nie öffentlich berichtet? Online haben wir zumindest bis heute keine öffentlich Berichterstattung dazu gefunden. Der Unfall und die Situation am Anleger sind alles andere als unbemerkt geblieben. Hunderte Fährgäste waren vor Ort und nach kurzer Zeit wurde auf der Insel darüber gesprochen.

Wir wollen daraus keine Spekulation ableiten. Aber dass ein solches Ereignis praktisch nur durch Mundpropaganda bekannt wird, feuert Spekulationen ja bekanntermaßen erst recht an, und das finden wir zumindest merkwürdig.

Wattwanderer*innen und Gästebeitrag

Ein weiterer Redebeitrag aus dem Publikum enthielt zwei Themen.

Zunächst ging es um den deutlichen Rückgang der Wattwanderer*innen. Diese seien nicht nur Tagesgäste, sondern häufig Menschen, die Baltrum dadurch erstmals kennenlernen und später als Urlauber*innen zurückkommen könnten.

Als Problem wurde vor allem die Parksituation in Neßmersiel genannt, durch die Wattführer Baltrum teilweise nicht mehr anlaufen würden.

Eine ausführliche separate Antwort der Kandidaten auf die Wattwandererfrage gab es nicht. Sie ging in die größere Diskussion über Parkplätze, Anreise und Baltrum-Linie über.

Der zweite Punkt war der Gästebeitrag.

Warum ist es noch immer nicht gelungen, den Gästebeitrag und das Fährticket technisch so miteinander zu verbinden, dass Vermieter*innen entlastet werden und Gäste nicht bei der Abreise erneut kontrolliert werden müssen?

Schütte berichtete von einem Gespräch mit der Baltrum-Linie im April und sagte, es liege inzwischen ein neuer Vorschlag vor, mit dem sich der neue Rat beschäftigen könne.

Bengen erklärte, frühere Versuche seien an der fehlenden Einigung mit der Baltrum-Linie gescheitert. Eine gemeinsame Lösung könne gleichzeitig die Einnahmen erhöhen, weil der tatsächlich geschuldete Gästebeitrag dann zuverlässiger erfasst werde.

Einordnung / Kontext von MOIN

Dieses Thema begleitet uns ja schon länger.

Auch wir haben uns bereits mit technischen Modellen beschäftigt, durch die Insulanerkarten, Fährtickets und Gästebeiträge einfacher abgewickelt werden könnten. In protokollierten Gesprächen mit der Geschäftsführung der BL und MOIN-Mitgliedern wurden spezifische Lösungen diskutiert. Ein großer Punkt für die BL sei die Finanzierung - die Gemeinde solle sich an den Kosten für neue Systeme beteiligen.

Nationalparkhaus: Weiterbauen?

Jens Gaiser fragte anschließend nach dem neuen Nationalparkhaus und wollte von beiden Kandidaten wissen, ob sie das Projekt weiter unterstützen.

Bengen war klar dafür. Das neue Haus löst mehrere Probleme des bestehenden Gebäudes: Barrierefreiheit, zeitgemäße Ausstellung, Veranstaltungsräume und bessere Arbeitsbedingungen.

Schütte unterstützte den Neubau ebenfalls und verwies darauf, dass das Projekt nach seiner Aussage vollständig über Fördermittel finanziert werde. Zudem würden Mitarbeiterwohnungen im Dachgeschoss geplant, was wiederum dem Thema Wohnen auf Baltrum zugutekommt. Für ihn ist es außerdem ein touristischer Anziehungspunkt.

Einordnung / Kontext von MOIN

Da sind wir bei beiden.

Wenn eine notwendige Infrastrukturmaßnahme fachlich sinnvoll ist und eine sehr hohe Förderung gesichert werden kann, wäre es schwer zu erklären, warum Baltrum diese Chance nicht nutzen sollte.

Wie führt der neue Bürgermeister eigentlich seine Mitarbeitenden?

Eine weitere Frage aus dem Publikum kam von einer*einem Gemeindebeschäftigten:

Wenn beide Kandidaten gleichzeitig über Einsparungen bei den Personalkosten sprechen – wie wollen sie dann eigentlich mit den Mitarbeitenden umgehen?

Schütte verwies auf seinen eigenen Fachbereich im Rathaus. Dort habe er bereits Kommunikationsstrukturen aufgebaut, mit regelmäßigeren Gesprächen zwischen Mitarbeitenden und Fachbereichsleitung. Dieses Modell wolle er auf die übrige Verwaltung übertragen und sehe seine bisherige Arbeitsweise mit Kolleg*Innen als positiv.

Bengen sagte, dass er viele Beschäftigte und deren tägliche Arbeit erst einmal kennenlernen müsse.

Seine Bürotür solle offen stehen. Probleme müssten mit den jeweiligen Vorgesetzten besprochen werden und Kommunikation müsse respektvoll auf Augenhöhe stattfinden.

Er verwies dabei auch auf seine jahrzehntelange Erfahrung als Arbeitgeber in seinem Hotel mit rund 10 Mitarbeitenden.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hinter Personalkosten stehen eben Menschen. Bei einer kleinen Verwaltung zählt nicht nur Führungserfahrung auf dem Papier. Es hilft enorm, wenn man die Menschen, Zuständigkeiten und tatsächlichen Arbeitsabläufe kennt und auf bestehenden Kommunikationswegen aufbauen kann.

Gerade in einer Phase, in der Stellen neu verteilt und Aufgaben möglicherweise anders organisiert werden müssen, kann diese Kontinuität wertvoll sein.

Öffnungszeiten: besser abstimmen?

Aus dem Publikum kam die Frage, warum sich Betriebe bei ihren Ruhetagen nicht besser abstimmen. Als Beispiel wurden zwei gleichzeitig geschlossene Cafés an einem Samstag genannt.

Schütte stellte klar, dass die Gemeinde keine Öffnungszeiten vorgeben werde.

Bengen verwies auf frühere Versuche, besonders die Winteröffnungszeiten besser zu koordinieren. Gleichzeitig müssten Betriebe und Mitarbeitende natürlich ihre Ruhetage haben.

Einordnung / Kontext von MOIN

Gerade in der Nebensaison würde schon helfen, Öffnungszeiten frühzeitig zusammenzuführen und sichtbar zu machen. Nicht als Vorschrift, sondern als einfache Koordination auch für die Betriebe selbst.

Wintertourismus, Kommunikation und Straßen

Eine weitere Publikumsfrage bündelte gleich mehrere Punkte.

Es wurde gefragt, warum Baltrum seit Jahrzehnten versucht, den Jahresumsatz im Wesentlichen innerhalb weniger Monate zu erwirtschaften. Winterurlaub auf Baltrum wird kaum beworben, obwohl Menschen durchaus Interesse daran hätten.

Dann griff er noch einmal die Kommunikation bei Störungen der Fährverbindung auf. Warum informiert die Gemeinde in solchen Situationen nicht sichtbarer und schneller?

Und schließlich kam er auf Schüttes Gemeinschaftsidee zur Straßensanierung zurück: Wie soll das praktisch mit einer älter werdenden Inselbevölkerung funktionieren?

Bengen unterschied zwischen Saisonintensivierung und Saisonverlängerung.

Bei einem begrenzten Marketingbudget müsse Baltrum entscheiden, ob es beispielsweise einen April mit geöffneten Betrieben von 40 auf 70 Prozent Auslastung bringen wolle oder Geld in einen November investiere, in dem viele Betriebe geschlossen sind. Für Hotels sei ein Ganzjahresbetrieb seiner Meinung nach zudem personell schwer darstellbar. Längere Öffnungszeiten könnten deutlich höhere Personalkosten verursachen. Die Insel sei zu klein, es würde sich einfach nicht rechnen. Sein Schwerpunkt liegt deshalb eher auf einer besseren Auslastung der bereits bestehenden Saison.

Schütte fasste die Punkte unter einem Grundgedanken zusammen: Es geht nur gemeinsam. Die Gemeinde könne beispielsweise Sportangebote, Sauna oder andere Einrichtungen länger verfügbar machen. Dafür müsse sie aber wissen, welche Vermieter*innen und Betriebe gleichzeitig mitziehen.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hier unterscheidet sich unsere Sicht deutlich von Bengens Schwerpunkt.

Niemand verlangt einen vollständigen Ganzjahresbetrieb aller Hotels der Insel.

Eine längere Saison kann auch bedeuten, bewusst bestimmte Wochen und Monate gemeinsam zu entwickeln und zu bewerben. Wir wollen deshalb nicht einfach blind den „Winter öffnen“, sondern konkret prüfen: Welche Zeiträume können wir gemeinsam so attraktiv machen, dass sich Öffnung für Betriebe lohnt?

Was versprecht ihr jungen Menschen?

Ben Hinrichs von MOIN Baltrum stellte die Frage bewusst mit Blick auf die Länge der Amtszeit.

Acht Jahre sind für einen jungen Menschen eine ziemlich lange Zeit. Welche konkreten Versprechen machen beide Kandidaten dieser Generation?

Schütte nannte einen Punkt sofort: einen Ausbildungsplatz innerhalb der Gemeindeverwaltung.

Es sei für ihn schwer nachvollziehbar, warum junge Menschen zwar verschiedene Ausbildungswege auf der Insel finden können, aber die Gemeinde selbst bislang keine Verwaltungsausbildung anbietet.

Sein zweiter Punkt war wieder Wohnraum. Junge Erwachsene müssen die Möglichkeit haben, aus dem Elternhaus auszuziehen und trotzdem auf Baltrum zu bleiben.

Bengen wollte bewusst kein konkretes Einzelversprechen machen.

Politik werde gemeinsam mit dem kommenden Rat gestaltet und finanzielle oder politische Rahmenbedingungen könnten sich verändern.

Er versprach stattdessen, sich dafür einzusetzen, Baltrum für alle Generationen lebenswert zu halten.

Einordnung / Kontext von MOIN

Wir verstehen Bengens Vorsicht. Ein Bürgermeister kann nicht allein versprechen, was ein Rat später beschließen muss.

Trotzdem fanden wir Schüttes Antwort an dieser Stelle konkreter.

Ein Ausbildungsplatz in der Gemeinde ist ein gutes Beispiel für ein Ziel, das klein genug ist, um greifbar zu sein und gleichzeitig eine klare Richtung zeigt.

Und was ist mit der älteren Generation?

Muss man Baltrum irgendwann verlassen, wenn das eigene Haus zu groß wird oder Unterstützung notwendig wird?

Schütte brachte kleine, barrierearme und geförderte Wohnungen ins Spiel.

Sozialer Wohnungsbau könne älteren Menschen ein Leben auf der Insel ermöglichen und gleichzeitig größere Wohnungen oder Häuser für andere Haushalte freimachen.

Er erwähnte auch leerstehende beziehungsweise verfügbare Immobilien, bei denen die Gemeinde prüfen könne, ob ein Erwerb sinnvoll wäre.

Bengen war wesentlich zurückhaltender.

Er verwies auf die Pflege seiner eigenen Eltern und stellte infrage, in welchem Umfang eine finanziell angeschlagene Gemeinde solche Angebote professionell selbst schaffen könne.

Das Problem sei bekannt, die Finanzierung aber schwierig.

Einordnung / Kontext von MOIN

Hier lohnt sich ein Blick auf die Folgewirkung von Wohnraum. Eine kleine barrierearme Wohnung ist nicht nur für Senior*innen interessant. Wenn dadurch ein großes Haus frei wird, entsteht gleichzeitig Wohnraum für eine oder mehrere Familien.

Baltrum-Linie: Was könnt ihr wirklich tun?

Jens Gaiser brachte die Diskussion später noch einmal sehr deutlich zurück zur Baltrum-Linie.

Er wollte von beiden Kandidaten konkret wissen, was sie tun wollen und machte deutlich, dass ihm die Antwort „wir müssen miteinander reden“ nicht ausreicht.

Schütte erklärte trotzdem, dass ein arbeitsfähiges Verhältnis notwendig sei.

Die Baltrum-Linie sei aktuell der zentrale Zugang zur Insel. Öffentliche Auseinandersetzungen hält er für wenig hilfreich. Er verwies aber auf einen konkreteren Hebel: den Hafenzweckverband. Dort gebe es Verträge und eine Entgeltordnung. Bei zukünftigen Regelungen könnten Bedingungen anders gestaltet und Verstöße besser sanktioniert werden.

Bengen sieht die unmittelbare Handhabe der Gemeindeverwaltung als sehr gering.

Auch er setzt zunächst auf Gespräche und Überzeugungsarbeit. Gleichzeitig verwies er darauf, dass der frühere Linienschutz aufgehoben wurde und grundsätzlich auch andere Anbieter Verbindungen nach Baltrum anbieten können.

Ralf Olchers ließ die „Bombe“ platzen: Es gibt eine neue Reederei

Ralf Olchers von MOIN Baltrum machte während dieser Diskussion öffentlich, dass mehrere Baltrumer inzwischen selbst eine neue Reederei gegründet haben.

Zunächst soll ein Frachtschiff eingesetzt werden. Olchers ist selbst an diesem Unternehmen beteiligt und fragte deshalb beide Kandidaten offen, wie sie als zukünftiger Bürgermeister mit einem neuen Anbieter umgehen würden.

Beide antworteten sehr ähnlich.

Die Gemeinde dürfe einen privaten Betrieb weder bevorzugen noch benachteiligen.

Bengen sagte, er werde einem neuen Anbieter keine Steine in den Weg legen, aber auch keine Sonderbehandlung anbieten.

Schütte verwies ebenfalls auf den Wettbewerb: Wenn ein neuer Anbieter gut sei, würden Kunden ihn nutzen. Individuelle Wirtschaftsförderung sei hier weder möglich noch notwendig.

Tim Bruns-Strenge: Was ist mit der Hafenentgeltordnung?

Und noch etwas fachlicher:

Tim Bruns-Strenge von MOIN Baltrum, ebenfalls Gesellschafter der neu gegründeten Reederei, erklärte den Hintergrund der Hafenentgeltordnung.

Für Linienverkehr und Gelegenheitsverkehr gelten unterschiedliche Bedingungen. Gerade für einen jungen Anbieter mit zunächst nur einem Schiff kann beispielsweise eine längere Werftzeit problematisch werden, wenn die Voraussetzungen für den günstigeren Linienstatus dadurch nicht mehr erfüllt werden.

Seine Frage war deshalb konkret:

Wie schnell wollen die Kandidaten diese Entgeltordnung angehen?

Schütte erklärte, dass sich der Hafenzweckverband nach der Wahl ohnehin neu zusammensetzen müsse und er das Thema innerhalb der ersten 100 Tage aufgreifen wolle.

Bengen sagte, nach seinem Kenntnisstand werde die Entgeltordnung bereits überarbeitet.

Bruns-Strenge machte außerdem deutlich, dass Sitzungen des Hafenzweckverbandes aus seiner Sicht deutlich häufiger stattfinden müssten. Gerade bei Themen wie Fähre und Parkplatz könne ein Abstand von zwölf bis 24 Monaten nicht ausreichen.

Einordnung / Kontext von MOIN

Ralf und Tim haben hier natürlich ein eigenes wirtschaftliches Interesse. Das macht die Frage aber nicht falsch.

Im Gegenteil: Wenn die Gemeinde Wettbewerb gegenüber der Baltrum-Linie grundsätzlich begrüßt, muss geprüft werden, ob die bestehenden Regeln neuen Wettbewerb praktisch überhaupt ermöglichen.

Der Hafenzweckverband ist deshalb eines der Themen, bei denen der nächste Bürgermeister deutlich aktiver werden muss.

Zum Schluss: Warum sollte ich euch wählen?

Die letzte Frage kam von Tim Woste von MOIN Baltrum.

Sie war ganz simpel:

“Warum sollte ich euch jetzt ganz konkret wählen?”

Damit mussten beide den gesamten Nachmittag noch einmal auf den Punkt bringen.

Oliver Schütte

Schütte stellte seine Energie, seine Verwaltungserfahrung und seine Unabhängigkeit in den Mittelpunkt. Er kennt die Abläufe im Rathaus, war bereits allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und traut sich zu, die Verwaltung zu führen. Dass er parteilos ist, sieht er als großen Vorteil. Er stellte eine gleichzeitige Parteizugehörigkeit von Bürgermeister und (möglicher) Ratsmehrheit als Gefahr für Stillstand dar.

Sein Kernargument: Ich kenne das System und möchte jetzt selbst Verantwortung übernehmen.


Jann Bengen

Bengen setzte bewusst den Gegenpunkt. Baltrum sei in den vergangenen Jahren “verwaltet” worden. Jetzt sei es aus seiner Sicht Zeit für einen Unternehmer an der Verwaltungsspitze, der Probleme anders betrachtet und nicht in klassischen Verwaltungsstrukturen denkt. Er verwies außerdem noch einmal auf seine lebenslange Verwurzelung auf Baltrum.

Dann wurde es zum Abschluss noch einmal persönlich.

Bengen stellte infrage, wie viel sich in den vergangenen Jahren verändert habe, obwohl Schütte bereits fünf Jahre in der Verwaltung tätig sei.

Simone Ulrichs beendete die Diskussion an dieser Stelle aber schließlich.



Was bleibt nach diesem Nachmittag?

Die Diskussion hat keine eindeutige Antwort darauf gegeben, welcher Kandidat „der bessere“ ist.

Das war ja auch nicht ihre Aufgabe. Aber sie hat die Unterschiede deutlicher gemacht.

Jann Bengen argumentiert häufig aus Wirtschaftlichkeit, Zuständigkeiten und den Grenzen des Machbaren heraus. Er möchte planen, Strukturen prüfen und unternehmerisches Denken in die Verwaltung bringen.

Oliver Schütte argumentiert aus konkreten Handlungsmöglichkeiten heraus. Er kennt die Verwaltung bereits und fragt deutlich öfter: Warum wurde etwas bisher nicht umgesetzt und was können wir jetzt direkt tun?

Dabei hat der Nachmittag auch die Schwachstellen beider Profile sichtbar gemacht.

Bengen bringt viel Unternehmererfahrung und jahrzehntelanges Inselwissen mit. Dafür konnte er nicht konkret sagen, welche operativen Verwaltungsaufgaben er als Quereinsteiger selbst übernehmen kann.

Schütte kennt Rathaus, Zuständigkeiten und Verwaltungsarbeit. Dafür muss er zeigen, dass ein Bürgermeister Baltrums auch dann ausreichend präsent sein kann, wenn der Lebensmittelpunkt seiner Familie am Festland bleibt.

Und noch etwas wurde deutlich: Viele der großen Probleme Baltrums sind längst bekannt.

Wohnraum. Haushalt. Straßen. Nebensaison. Fähre. Pflege. Kinderbetreuung. Die nächste Wahlperiode wird sich deshalb weniger daran messen lassen müssen, ob wir diese Probleme richtig benennen. Sondern daran, ob aus ihnen konkrete Projekte werden. Vielleicht war Tim Wostes letzte Frage deshalb tatsächlich die richtige: Warum sollte ich euch wählen?

Nach diesem Nachmittag kann jede*r diese Frage für sich ein Stück besser beantworten.

Wir hoffen, dass dieser Beitrag ein wenig zur Entscheidungsfindung beitragen konnte. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast!


Quellen

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Unabhängig – nicht unverbunden