Unser Bootshafen ist aktuell nicht gut geschützt.

Warum der Südwall am Bootshafen erhöht werden muss, was ein Pachtvertrag damit zu tun hat – und warum das alle auf Baltrum etwas angeht.

Transparenzhinweis
Tim Bruns-Strenge ist Gründungsmitglied von Moin Baltrum und zugleich 2. Vorsitzender des Bootsclubs Baltrum (BBC). Der Beitrag wurde mit dem BBC abgestimmt. Wir machen diese Doppelrolle bewusst sichtbar – nicht, weil sie ein Problem ist, sondern weil auf einer Insel mit 500 Einwohnern jede engagierte Person mehrere Hüte trägt. Entscheidend ist für uns, dass das Anliegen sachlich trägt:
Der Hafenschutz ist ein Insel-, kein Vereinsinteresse.

Worum es geht

Der Südwall am Baltrumer Bootshafen ist zu niedrig. Nicht ein bisschen, sondern messbar: Schon 40 Zentimeter über dem normalen Hochwasser reichen bei südwestlichem Wind aus, damit Wellen ungebremst in den Hafen schlagen. Wer den Hafen kennt, weiß, was das bedeutet – für die Stege, für die Boote, für die Substanz der gesamten Anlage.

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Geändert hat sich nichts. Und das hat einen Grund, der es wert ist, einmal in Ruhe erklärt zu werden.

Wer ist eigentlich zuständig?

Hier wird es schnell verwirrend, deshalb der Reihe nach:

Der NLWKN – also der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – ist für den Küstenschutz zuständig. Aber: Der Südwall am Bootshafen gehört nicht zum Küstenschutz. Er gehört zum Hafengebiet.

Und für das Hafengebiet ist eine andere landeseigene Gesellschaft zuständig: Niedersachsen Ports GmbH, kurz NPorts. NPorts verpachtet dem Bootsclub Baltrum (BBC) die Hafenfläche – und genau in diesem Pachtvertrag liegt der Kern des Problems.

Der entscheidende Satz im Pachtvertrag

In §6 des Vertrags zwischen NPorts und BBC steht wörtlich:

„Der Nutzer hat NPorts gegenüber keinen Anspruch auf Schutz der Fläche sowie der Anlage und ihres Betriebes gegen Einwirkungen des Hochwassers, des Eisganges, der Strömung, des Seeganges sowie der Schifffahrt und anderen Benutzungen der Hafenanlage."

Übersetzt heißt das: Der Bootsclub zahlt Pacht an NPorts – aber NPorts ist vertraglich nicht verpflichtet, die verpachtete Fläche vor Wasser, Eis oder Wellen zu schützen.

Damit sitzt der BBC in einer Sackgasse:

  • Selbst bauen geht nicht, weil jede bauliche Maßnahme am Südwall die Genehmigung von NPorts braucht.

  • Selbst finanzieren geht nicht, weil die Maßnahmen so teuer sind, dass ein Verein das nicht tragen kann.

  • NPorts dazu zwingen geht nicht, weil der Vertrag genau diesen Anspruch ausschließt.

Was bleibt, ist Bitten. Und das tut der Bootsclub seit Jahren.

Warum NPorts blockiert

Die ehrliche Antwort: Baltrum ist NPorts zu klein.

NPorts priorisiert wirtschaftlich stärkere Standorte – allen voran Norddeich, wo deutlich mehr Umschlag stattfindet. Investitionen fließen dorthin, wo sie sich aus Sicht der GmbH am schnellsten rechnen. Auch der Vorschlag des BBC, die gepachtete Fläche von NPorts zu kaufen und damit selbst handlungsfähig zu werden, wurde abgelehnt.

Drei Baustellen, ein Muster

Der Südwall ist nicht das einzige Problem im Hafen – er ist nur das dringendste. Wer genauer hinschaut, sieht ein Muster:

  • Der Südwall ist zu niedrig. Bei Südwestwind und nur leicht erhöhtem Wasserstand läuft der Hafen voll.

  • Die Nordseite des Hafens ist sanierungsbedürftig. Risse, Verformungen, sichtbare Schäden. NPorts ist informiert, passiert ist nichts.

  • Die Steganlage des BBC ist fast 60 Jahre alt und am Ende ihrer Nutzungszeit. Reparieren lohnt sich wirtschaftlich nicht mehr – eine neue muss her. Aber einen neuen Steg in einen ungeschützten Hafen zu bauen, wäre Geldverbrennung. Der wäre beim nächsten Südweststurm genauso hin wie der alte.

Drei Schäden, ein Zuständiger, ein Muster: zuschauen und aussitzen. Ein Blick auf die Nachbarinsel Juist zeigt, wohin das führen kann – dort hat die Gemeinde den Staatshafen einst günstig übernommen und sitzt heute auf untragbaren Sanierungskosten auf Jahrzehnte. Auch kein Modell, das sich Baltrum wünschen kann.

Warum das alle angeht

An diesem Punkt mag mancher denken: „Bootshafen, das ist doch Hobby." Diese Sicht greift zu kurz.

Der Bootshafen Baltrum hat rund 50 Gastliegeplätze. In der Sommersaison bedeutet das etwa 130 Übernachtungsgäste pro Nacht – Menschen, die auf der Insel essen, einkaufen, Fahrräder mieten, an Veranstaltungen teilnehmen. Der Hafen ist eine wirtschaftliche Säule des Inseltourismus, gerade abseits der klassischen Fährgäste.

Ohne Schutz des Hafens kein neuer Steg. Ohne neuen Steg keine Zukunft des Bootshafens. Ohne Bootshafen weniger Gäste.

In dieser Reihenfolge.

Was bisher unternommen wurde

Der Bootsclub ist nicht untätig geblieben. Unter anderem wurde eine E-Mail an die Ratsmitglieder der Gemeinde Baltrum verschickt, mit der Bitte um politische Rückendeckung für die Erhöhung des Südwalls. Die Antwort: keine. Nicht eine Reaktion.

Das ist enttäuschend – und es ist der Punkt, an dem das Thema die rein vereinsinterne Ebene verlässt und Sache der gesamten Inselgemeinschaft wird.

Was wir fordern

Wir – Moin Baltrum – sehen drei klare Schritte:

  1. NPorts muss seiner Verantwortung nachkommen. Der Südwall muss erhöht werden. Baltrum darf nicht hinter Norddeich zurückstehen, nur weil hier weniger Umschlag stattfindet. Eine landeseigene GmbH hat eine Verantwortung für alle ihre Standorte – nicht nur für die rentabelsten.

  2. Die Gemeinde muss aktiv werden. Eine unbeantwortete Mail an Ratsmitglieder darf nicht das Ende der Geschichte sein. Wir erwarten, dass sich der Rat des Themas annimmt und politisch Druck auf NPorts aufbaut. Der Bootshafen ist Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur Baltrums – ihn schleichend verfallen zu lassen, ist keine Option.

  3. Transparenz statt Stillschweigen. Solange das Thema unter der Decke gehalten wird, wird sich nichts ändern. Deshalb dieser Beitrag. Und deshalb werden wir das Thema weiter öffentlich begleiten.

Zum Schluss

Auf einer Insel mit 500 Einwohnern fällt es leicht, Probleme so lange wegzumoderieren, bis sie nicht mehr lösbar sind. Der Südwall ist genau so ein Fall: technisch klar, rechtlich verzwickt, politisch unbequem – und deshalb seit Jahren ungelöst.

Wir glauben, dass Baltrum eine andere Art von Politik braucht. Eine, die solche Themen benennt, statt sie auszusitzen. Eine, die nicht wartet, bis der erste Sturm den neuen Steg gleich mitnimmt. Und eine, die den Mut hat, einer landeseigenen GmbH zu sagen: Auch wir sind Niedersachsen

Baltrumer Bootshafen, Nordwand

Nordseite

Man sieht die marode Nordwand des Baltrumer Bootshafens. Oben auf der Straße fahren regelmäßig schwere Transportfahrzeuge entlang.

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